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Ausbildung

DEUTSCHLANDS TRAUM VON ELITE-UNIVERSITÄTEN

von Prof. Daniel Simonovich

Daniel Simonovich ist zur Zeit Dekan der European School of Business (ESB), Hochschule Reutlingen. Bevor er Professor wurde arbeitete er als Management Berater bei Booz | Allen | Hamilton.

Eine kurze Geschichte der deutschen Hochschullandschaft.
Lange ist es her, da zählten die Universitäten im deutschsprachigen Raum zu den besten der Welt. Viele Nationen studierten die deutschen Dichter und Denker und nahmen dabei sogar das Erlernen der schwierigen deutschen Sprache in Kauf um bei naturwissenschaftlichen Fortschritten und philosophischen Exkursen up-to-date zu bleiben. Ein Wesensmerkmal der deutschen Forschungserfolge war das Prinzip von Humboldt. Wilhelm von Humboldt war Erziehungsminister, reformierte das Bildungssystem und schuf eine einheitliche Volksschule (Grundschule) sowie ein einheitliches Gymnasium. Vor allem gründete er aber 1810 die Universität von Berlin. In ihr sollten die Hochschullehrer nicht mehr nach Lehrplan unterrichten, sondern in Freiheit mit ihren Studenten zusammen forschen (akademische Freiheit). Dieses Konzept erwies sich als äußerst erfolgreich und wurde von Amerika später kopiert. Spätestens mit dem zweiten Weltkrieg fand die Führungsrolle Deutschlands ein jähes Ende. In den Aufbaujahren der 50er und 60er war das Studium ein Privileg für wenige bis die 68er Studentenbewegung und die Politik der sozialen Gerechtigkeit einer breiten Bevölkerungsschicht ein Hochschulstudium zubilligen wollte. Mit dem berühmten Leitspruch Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren protestieren die Studenten zudem gegen das damalige Autoritätsgehabe der Professoren, das sie als Relikt der NS-Zeit ansahen, als, zum Entsetzen der Nachwelt, ausgerechnet Universitäten zum Ideologieinstrument des Dritten Reiches und seiner Rassenlehre wurden. Damals mussten jüdische Wissenschaftler, wie Albert Einstein, emigrieren. Dem Zeitgeist der 70er Jahre entsprechend, wurden nun also Universitäten reformiert und stark ausgebaut um der Masse zugänglich zu sein. Und es wurde eine neue Hochschulform erfunden, die sich ausschließlich der Lehre in anwendungsnahen Disziplinen widmen sollte: Die Fachhochschule

Die heutige Problemlage in Deutschland
Der radikale Ausbau der Universitäten hat bald seine Schattenseiten zum Vorschein gebracht: Mit der Idee eines breiten Hochschulzugangs für alle wurde das Studium in Deutschland zur Masse statt Klasse. Das Festhalten an dem Humboldt’schen Prinzip erwies sich in diesem Zusammenhang als fatal. Denn seit diesem Wandel haben die Professoren nun die Freiheit, sich von lästigen und wenig inspirierenden Studentenmassen fernzuhalten, ihr Engagement zu minimieren und die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die durch ein Promotionsvorhaben von ihnen abhängig sind, ungestraft für ihre persönlichen Interessen, insbesondere der Arbeitsentlastung, zu bemühen. Viele Studierende interpretieren dann im Gegenzug die akademische Freiheit so, dass sie ihr Studium, Kraft Orientierungslosigkeit und schlechter Betreuung, beliebig in die Länge ziehen können. Am Ende quittieren ihnen schließlich die Arbeitgeber nicht selten, dass sie bei der ganzen Tortur eigentlich nichts Vernünftiges gelernt haben. Denn Praxisnähe stellt bis heute für viele Universitäten eine unzulässige Beeinträchtigung der akademischen Freiheit und Unabhängigkeit dar.

Die Sehnsucht nach Elite-Universitäten
Als ob die Bildungslage in Deutschland nicht schon schlimm genug wäre, bekam die einst bewunderte deutsche Bildung im Zuge der Pisa Studien ihren Gnadenstoß. Sie zeigte, dass, abgesehen von Bayern und Baden- Württemberg, die deutsche Schulausbildung im internationalen Vergleich nur Mittelmaß ist. Vor zwei Jahren kochte dann auch noch die Stimmung an deutschen Universitäten über und führte zu erneuten Studentenprotesten. Aber im Gegensatz zur 68er-Bewegung ging es diesmal nicht gegen autoritäre Strukturen, sondern gegen die Unerträglichkeit der Studienbedingungen. Seit langem war bekannt, dass die besten Absolventen Deutschlands ihre akademische Karriere lieber im Ausland, vor allem in die USA fortsetzten, also die Bildungsflucht ergriffen. Unter zunehmenden Druck geraten, hatte die Regierung Schröder dann die Flucht nach vorne ergriffen und sich als Anführer einer breiten Diskussion über die Notwendigkeit von Elite-Universitäten in Deutschland erklärt. Konkret sollten dann im letzten Jahr einige wenige deutsche Universitäten zu Elite-Universitäten deklariert werden. Die Wissenschaftsministerin, Frau Bulmahn, konnte ihre Elite-Vorstellungen allerdings nicht in die Realität umsetzen.

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