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Fehlanalyse made in Germany
Seitdem das Gespenst von deutschen Elite- Universitäten in der Öffentlichkeit und in der Presse spukt, gibt es kein Halten mehr: Deutschland braucht Spitzenunis, genauer gemeint, Spitzenforschung, damit die besten Köpfe im Land bleiben und damit auch für Industrie und Wirtschaft die entscheidenden Innovationsimpule durch Forschungsergebnisse entstehen können. Deshalb müßten Milliarden für einige wenige deutsche Universitäten ausgegeben werden, damit diese sich wie durch ein Wunder in viele Harvards und Oxfords verwandeln. Dieser plakativen Logik fehlt es freilich an Fakten und Analysen. Kaum einer scheint die großen Zusammenhänge bzw. die wahren Stärken und Schwächen der Hochschulbildung in Deutschland zu kennen. Am wenigsten die Politiker. Einige Wahrheiten, für deren Entdeckung man kaum ein Insider sein muss, sind:
> Das durchschnittliche Niveau der derzeit vielgelobten amerikanischen Universitäten ist ausgesprochen niedrig weniger als 10% der Schulen oder Hochschulen können dem deutschen Abitur- oder Examensniveau das Wasser reichen (wenngleich die 1%-Spitze dort zweifelsohne hervorragend ist)
> Wo immer Deutsche im Ausland studieren, finden sie sich meist in der Spitzengruppe wieder
> Der deutsche Staat gibt nicht weniger für die Bildung aus als anderswo. Die große Kluft (vor allem zur USA) erklärt sich aus den gravierenden Unterschieden in den privaten Zuwendungen, die in Deutschland kaum ausgeprägt sind
> Die deutsche Ingenieursausbildung ist weltweit Spitze und genießt ein höheres Ansehen als die angloamerikanische Ausbildung
> Es gibt Erdteile (z.B. Südamerika, China, arabische Welt), in denen die deutsche Ausbildung oder Geschäftspraxis ein weitaus höheres Ansehen genießt, als die anglo-amerikanischen Varianten
> Spitzenforschung gibt es in Deutschland längst, nämlich an speziellen Instituten, wie Max Planck oder Fraunhofer. Diese werden nur nicht zu den Universitäten gezählt. Bei all diesen Richtigstellungen gibt es dennoch wenig Anlass, die deutschen Universitäten schön zu reden:
> Die universitäre Ausbildung geht oft komplett an den Studierenden vorbei das Niveau wird stets an den Publikationen der Professoren gemessen und dementsprechend kurz kommt die tatsächliche Ausbildung von Studierenden.
> Fast alle Diplomabsolventen und Doktoranden finden sich in Industrie und Wirtschaft wieder die universitäre Ausrichtung bleibt aber hartnäckig dem Forschungsideal verschrieben.
> Variable Studienlänge legt die defizitäre Studienorganisation offen
> Die unzulänglichen und bürokratischen Strukturen sind erst recht für ausländische Studierende unattraktiv damit bleiben deutsche Universitäten international unbedeutend

Was zeichnet Elite-Hochschulen wirklich aus?
Leider scheint kaum einer der heutigen Spitzenpolitiker eine Elite-Hochschule von innen gesehen zu haben (anders als etwa der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der in Oxford studierte). Im Gegensatz zu Frankreich oder der USA werden deutsche Politiker auch nicht aus Elitepools rekrutiert. Wer allerdings mal einen Bildungsabstecher ins Ausland vornimmt, wird kaum Mühe haben, die wahren Merkmale einer Eliteausbildung zu nennen. Wie Abb. 1 deutlich macht, dreht es sich dabei rund um die konsequente Ausrichtung an der eigentlichen studentischen Ausbildung, vom persönlichkeitsorientierten Aufnahmeverfahren bis hin zum Networking unter den Alumni. Kurzum: Es geht um die Schaffung idealer Bedingungen zur Persönlichkeitsentwicklung von jungen Hoffnungsträgern.

Während deutsche Universitäten bei fast allen Merkmalen durchfallen, ist auffällig, dass die ESB (ähnlich, wie die Privaten WHU und EBS) eine beachtlich hohe Anzahl dieser Merkmale aufweist. Mehr als fragwürdig ist nun hingegen, wie aus den deutschen Massenunis nun plötzlich Eliteeinrichtungen entstehen sollen. Schließlich erfüllen diese so gut wie gar keine Elite- Merkmale. Solange vor allem die verkrusteten Beamtenstrukturen nicht dramatisch verändert werden, steht zu befürchten, dass selbst mit viel Steuergeldern keinerlei Elitemerkmale geschaffen werden. Die CHEAnalyse in Abb. 2 zeigt, wie holprig die Elitephantasien in Sachen Uni sind und dass die ESB einiges für deutsche Elitephantasien zu bieten hätte. Grund genug also, dass die ESB bei der Politik ihre Stimme erhebt.

So wenig hoffnungsvoll die politische Diskussion um Elite-Universitäten in Deutschland sich darstellt, so nützlich ist doch diese Gelegenheit, die Konturen der eigenen Strategie zu schärfen: Die frühe Andersartigkeit der ESB ist die Erklärung für eine seltene Erfolgsgeschichte made in Germany. Als vor 25 Jahren der Gründer der ESB, Prof. Dr. Hans Tümmers, das Erfolgsschema einer praxisorientierten französischen Grande Ecole mit Hilfe eines internationalen Exit aus dem gebeutelten, deutschen Bildungssystem konzipierte, wurden die Weichen für das gelegt, was attraktive Arbeitgeber heute so sehr schätzen: International agile Absolventen, die Probleme anpacken und unter Zeitdruck souverän lösen können. Ein schönes Geschenk zum 150-jährigen Jubiläum der Hochschule Reutlingen.



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