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1. Die ökonomische Analyse: schleichender Wohlstandsabbau
Die ökonomische Analyse lässt keinen Zweifel daran: Im Wesentlichen führen schlechte Regulationen – im umfassenden Sinn gemeint – zu Störungen auf allen Märkten der Volkswirtschaft, den Arbeitsund Kapital- ebenso wie den Produktmärkten. Unmittelbare Folge sind die bekannten Beschäftigungs- und Wachstumsprobleme (Abb. 1 sowie www.mckinsey.com/mgi).

Betrachten wir kurz die beiden Faktormärkte für Arbeit und Kapital. Dass Arbeit über Lohn- und Lohnnebenkosten zu teuer geworden ist, ist hinreichend untersucht. Dass wir außerdem vielen Menschen monetäre Anreize geben, nicht zu arbeiten, zumindest nicht in der Formal Economy, ist ebenso bekannt. Dahinter steckt die über Jahrzehnte aufgebaute Regulation der Arbeitsmärkte – mit einer zu Grunde liegenden Perzeption vom Menschen als einem weitgehend versorgungs- und fürsorgebedürftigen Wesen, die schon lange nicht mehr der Realität entspricht. Auf den Kapitalmärkten wiederum führen regulatorische Verzerrungen dazu, dass die Finanzierungskosten von Fremd- ebenso wie Eigenkapital relativ niedrig sind. Die Folge ist eine (übrigens nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Westeuropa anzutreffende) hohe Kapitalintensität; sie liegt ca. 30% über der US-amerikanischen. Auch hier wirkt wieder ein Bild vom Menschen nach, der letztlich als Investor nicht mündig ist. Im Mittelpunkt des hier relevanten Rechtsrahmens steht eher der Gläubiger (historisch „Mündel“) als der selbstverantwortliche Investor. Entsprechend sind die Produktangebote des Finanzsektors ausgerichtet. Verzerrte Faktorpreise führen zu unökonomischen Faktoreinsatzrelationen: Die Beschäftigung ist zu niedrig, die Kapitalintensität in Relation sehr hoch.

Diese unerfreuliche, die Beschäftigung drückende Situation müsste allerdings nicht zwangsläufig zum immer deutlicheren Abfall des deutschen Pro-Kopf-Einkommens führen, also zur Wachstumsschwäche, wenn die Faktorproduktivitäten weltmeisterlich wären. Dass sie es sind, glauben ja immer noch viele, und angesichts der hohen Kapitalintensität dürften sie eigentlich zu Recht eine hohe Arbeitsproduktivität erwarten. Aber der Glaube und die Erwartung trügen. So schlimm das Beschäftigungsproblem auch ist, zur Wohlstandslücke von 30% bei den Pro-Kopf-Einkommen im Vergleich zu den USA trägt die Beschäftigung „nur“ ein Drittel bei, da die Beschäftigung pro Kopf 10% unter dem Wert der USA liegt. Zwei Drittel hingegen resultieren aus den schwachen Faktorproduktivitäten. Die Arbeitsproduktivität beispielsweise liegt in Deutschland 20% unter dem US-Wert.

Erneut führt die Ursachenanalyse zu katastrophalen Fehlregulierungen, diesmal auf den Produktmärkten. Letztlich kann nachhaltiges Produktivitätswachstum nur aus Innovationen kommen – bei Produkten und Prozessen. Soll aus Innovationen volkswirtschaftliches Produktivitätswachstum entstehen, kommt es entscheidend auf die zügige Verbreitung solcher Innovationen an. Wettbewerb unter den Anbietern fördert diese zügige Verbreitung: Wenn ein Anbieter ein neues Produkt auf den Markt bringt oder einen neuen Prozess anwendet, dann verbreitet sich diese Innovation umso schneller unter den Anbietern, je höher der Wettbewerbsdruck ist. Entsprechend schneller wächst die Produktivität sowohl infolge von Prozessinnovation wie auch der Entwicklung von Produkten mit höherem Mehrwert. Was Deutschland – und übrigens auch andere kontinentaleuropäische Länder – in dieser Hinsicht von den USA unterscheidet, ist die Wettbewerbsintensität. Sie ist hier wesentlich geringer, verursacht durch unzählige Regularien aller Art. Ein Hauptstrang von Regularien hat mit dem Strukturerhalt überkommener Wirtschaftsformen zu tun, erneut verursacht von einem Menschenbild, demgemäß Wandel nur in homöopathischen Dosen für Menschen verkraftbar ist.

Das Fazit der ökonomischen Problemanalyse lautet also: Regulatorien, von überholten Menschenbildern ausgehend, verzerren alle Märkte fundamental und führen zu Beschäftigungs- und Produktivitätslücken, die multiplikativ und leider nicht nur als Summe zu einer mittlerweile politisch kaum noch tragbaren Wohlstandslücke führen. Sie vergrößert sich seit Jahren schleichend.

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