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Politik & Wirtschaft
DER STRUKTURWANDEL AM
BANKPLATZ LUXEMBURG – AM
BEISPIEL DER DEUTSCHEN BANK
LUXEMBOURG S.A.
Der Wandel in der Bankenbranche ist
auch im tradierten Finanzzentrum
Luxemburg zu spüren. Welche aktuellen
Herausforderungen zu bewältigen
sind und wie die Banken darauf
reagieren, beschreibt Ernst Wilhelm
Contzen in seinem Artikel.
Contzen begann seine Karriere als Trainee bei der Deutschen Bank in Münster. Danach war er als
Account Officer Deutsche Bank, Paris, Managing Director Deutsche Bank, Belgien, und Managing
Director Deutsche Bank, Bremen, tätig. Seit 1998 ist er Chief Executive Officer der Deutschen Bank
Luxembourg S.A., Luxemburg.
Luxemburg ist weit über die Grenzen des
Landes für seinen Finanzplatz bekannt. Das
Großherzogtum nimmt unter den Finanzzentren
weltweit den achten Rang ein und
ist der zweitgrößte Fondsstandort nach den
USA. Dies verdankt Luxemburg einer Reihe
von entscheidenden Wettbewerbsvorteilen:
Hohe Planungssicherheit durch ein stabiles
politisches Umfeld, kurze Wege zu
Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung,
pragmatische Behörden, gute rechtliche
und steuerliche Rahmenbedingungen,
eine sehr gute Infrastruktur, die Mehrsprachigkeit
der Bevölkerung sowie die geographische
Lage des Landes.
Die formell verabschiedete EU-Richtlinie
zur Zinsbesteuerung gewährleistet, dass
das Bankgeheimnis in Luxemburg über 2010
hinaus bestehen bleibt. Dies ist dem Engagement
der Luxemburger Regierung für die
Belange des Finanzplatzes zu verdanken. Besonders
im Hinblick auf die in Deutschland
für April 2005 vorgesehene Einrichtung eines
automatisierten Kontenabfragesystems
durch das Bundesamt für Finanzen, stellt dies
eine wichtige Stärkung des Bankenplatzes
Luxemburg dar.
Die Angst vor dem „gläsernen Konto“
bzw. dem „gläsernen Kunden“ besteht im
Großherzogtum nicht. Luxemburg zählt zu
den drei Staaten in der EU, in denen ab dem
1. Juli 2005 eine Quellensteuer auf Zinseinkünfte
von EU-Ausländern erhoben wird, im
Gegenzug aber kein automatischer Informationsaustausch
mit Finanzämtern stattfindet.
Durch die schnelle und pragmatische Umsetzung
von EU-Richtlinien hat sich Luxemburg
innerhalb der Europäischen Union den
Ruf eines „first-movers“ erworben und sichert
somit den Finanzinstituten einen wesentlichen
Wettbewerbsvorsprung. Beispiele hierfür
sind die Gesetzgebungen für Holdingund
Verbriefungsgesellschaften, Pensionsfonds
und die EU- Richtlinie für
Investmentfonds UCITS III.
Von diesen Gegebenheiten profitiert auch
die Deutsche Bank Luxembourg, die 1970 als
erste Auslandsniederlassung der Deutschen
Bank nach dem zweiten Weltkrieg gegründet
wurde. Seitdem agiert die Bank erfolgreich
aus dem „Herzen Europas“ heraus und hat es
verstanden, sich den wechselnden Konjunktur-
und Marktgegebenheiten anzupassen.
Heute beschäftigt die Deutsche Bank Luxembourg
über 330 Mitarbeiter und erzielte
2004 einen Jahresüberschuss von € 141 Mio.
Das Geschäftsmodell basiert auf den drei
Kerngeschäftsfeldern International Loans,
Private Wealth Management und Treasury &
Global Markets. Zusammen mit der Fondsgesellschaft
DWS Investment S.A., an der die
Deutsche Bank Luxembourg S.A. 50% der
Anteile hält, gehört die Deutsche Bank damit
zu den bedeutendsten Finanzinstituten
am Finanzplatz Luxemburg.
Die Struktur des Bankplatzes Luxemburg
hat sich im Verlauf der Jahrzehnte grundlegend
verändert. Zu Zeiten der Gründung
der Deutschen Bank Luxembourg waren 37
Finanzinstitute im Großherzogtum vertreten,
davon nur drei aus Deutschland. Getragen
vom großen Erfolg des Bankengewerbes
in Luxemburg stieg diese Zahl stetig an. Mitte
der 90er Jahre erreichte sie mit 222 Unternehmen
ihren Höhepunkt. Davon stammten
allein 72 aus Deutschland. Bei weiterhin
wachsender Bilanzsumme deutete sich damals
bereits eine erste Phase der Konsolidierung
an.
Zur Jahrtausendwende verschärfte sich
das Tempo der Konsolidierung, so schmolz
die Zahl der Finanzinstitute auf heute 162
zusammen. Parallel verlief die Entwicklung
der in Luxemburg vertretenen deutsche
Banken. Aktuell sind noch 46 Tochtergesellschaften
und Niederlassungen in Luxemburg
tätig. Fusionen und Geschäftsaufgaben
sind die beiden Hauptursachen für diese
Entwicklung. Doch das ist nur eine vordergründige
Wandlung, die das Finanzzentrum
durchgemacht hat. Bei oberflächlicher Betrachtung
kaum auszumachen, hat eine andere
Entwicklung tiefgreifendere Änderungen
mit sich gebracht. Die Konsolidierung
spielte sich nämlich nicht allein im
Großherzogtum, sondern zu einem wesentlichen
Teil im Ausland auf Ebene der
Muttergesellschaften ab.
Der Bankplatz ist von ausländischen
Niederlassungen und Tochtergesellschaften
geprägt, heute befinden sich nur drei Banken
mehrheitlich in Luxemburger Hand.
Deshalb hat der globale Prozess der Bankenkonsolidierung
einen erheblichen Einfluss
auf die Struktur und die Geschäftstätigkeit
der hier ansässigen Finanzinstitute.
Die Konsolidierungsbestrebungen im europäischen
Bankensektor sind noch nicht
abgeschlossen und werden deshalb auch
künftig die Luxemburger Bankenlandschaft
nachhaltig beeinflussen.
Die Bildung von großen, global oder zumindest
überregional agierenden Finanzkonglomeraten
verstärkte sich im Verlauf
der neunziger Jahre. Zu Beginn des neuen
Jahrtausends erfolgte eine zunehmende
Einbindung der ausländischen Tochtergesellschaften
und Niederlassungen in die
Konzernstruktur und –strategie.
Welche Auswirkung hat diese Veränderung
der Struktur auf den Finanzplatz insgesamt?
Ursprünglich gründete der Finanzplatz
Luxemburg auf dem Modell der Universalbank.
Heute zeigt sich ein grundlegend
anderes Bild. Mit der zunehmenden Einbindung
in die Konzerntätigkeit und –strategie,
übernehmen die Banken vermehrt
Nischenaktivitäten, die ihnen von den Mutterhäusern
übertragen werden.
Heute decken die Institute nicht mehr –
im Sinne der Universalbank – das gesamte
Produkt- und Serviceportfolio ab, sondern
konzentrieren sich auf einzelne Bereiche der
Wertschöpfungskette. Diese Entwicklung
führte zu sehr spezialisierten Finanzdienst-
leistern mit fachbezogenem Know-how und
hochentwickelter Infrastruktur. Dies trifft
auch auf die Deutsche Bank Luxembourg
zu, die ihr Geschäftsmodell auf die drei
Kerngeschäftsfelder International Loans,
Private Wealth Management und Treasury &
Global Markets konzentriert.
Ein weiterer Aspekt, der sich über die
Jahre herauskristallisierte, ist die Übernahme
von spezifischen Serviceaufgaben für
die Mutterhäuser. Am Beispiel der Deutschen
Bank Luxembourg sind dies die
Wahrnehmung von Treasuryaufgaben sowie
die Funktion eines Kompetenz- und
Buchungszentrums für Kredite innerhalb
des Deutsche Bank Konzerns.
Durch diese Aufgaben sind spezialisierte
Arbeitsplätze mit einem hohen Maß an
Fach-Know-how und einer ausgefeilten
Infrastruktur entstanden. Der erarbeitete
Wettbewerbsvorsprung gegenüber Konkurrenten
und anderen Konzernstellen
stellt die Leistungsfähigkeit der Bank und
des Finanzplatzes unter Beweis.
Gleiches gilt für das Private Wealth Management,
das verstärkt von den Skalenvorteilen
eines globalen Wealth Managers profitiert,
indem der Bereich der Asset Allokation
integriert wird. Die Kundenberater
der Deutschen Bank pflegen eine konsequente
Ausrichtung auf die individuellen
Bedürfnisse ihrer Kunden. Dabei können
sie sich auf neu entwickelte, innovative Anlageprodukte
stützen. Kontinuität in der
Beratung der Kunden sowie Kommunikation
in der Muttersprache des Kunden gehören
zu den weiteren Kernpunkten des
Private Wealth Management der Deutschen
Bank Luxembourg.
Die Deutsche Bank Luxembourg hat die
Synthese aus erfahrenem Kundenbetreuer
und internem Dienstleister erfolgreich
durchgeführt. Schlanke und effiziente Strukturen,
gepaart mit den Vorteilen des Standortes
Luxemburg, bieten eine solide Grundlage
für eine erfolgreiche Zukunft – auch in
Zeiten sich rasch verändernden Märkten.
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